Warum ist Aldi Süd so erfolgreich?

Es gibt viele Berichte über erfolgreiche Einzelhändler, manchmal sind diese von professionellen “Business Gurus” geschrieben, manchmal von Ex-Managern. Ich komme aus der zweiten Kategorie, mit 23 Jahren Geschichte beim Unternehmen Aldi Süd. Seit ich mein Einzelhandels-Wissen in Form einer Management-Beratung weitergebe, werde ich oft nach meiner Meinung gefragt (meistens während eines Verkaufsgesprächs), weshalb das Unternehmen Aldi Süd so erfolgreich ist, egal wo es sich niederlässt.

Wie bei allen pauschalen Fragen gibt es nicht eine einzige simple Antwort – bei dem Versuch, die Kernkompetenz eines großen Betriebes zu definieren, gibt es eine Reihe an Faktoren, die zusammen eine erfolgreiche Formel ergeben. Hier sind meine Top 4:

 1. Menschen und die Personal-Politik

Es war immer ein unglaublicher Stolz dabei, Freunden und Bekannten zu erzählen, dass man für Aldi Süd arbeitet, egal ob als Kassierer, im mittleren Management oder als Chef!

Dies ist dem Top Management und den Eigentümern zuzuschreiben. Sie haben Regeln und eine Unternehmens-Ethik geschaffen, welche niemals in Frage gestellt wird, egal was für ein Druck auf ihnen lastet. Für die meisten Angestellten war es leicht, den Unternehmens-Standpunkt hinsichtlich “das Richtige tun” zu vertreten, und so ist es nicht schwer sich vorzustellen, dass man stolz ist, für ein moralisch agierendes Unternehmen zu arbeiten.

In 23 Jahren habe ich nie gesehen, dass das Top Management entgegen der Grundregeln, alle Angestellten und Geschäftspartner so zu behandeln, wie man selbst behandelt werden will, gehandelt hat.

 2. Gute Qualität zu einem guten Preis

Lebensmittel-Einzelhändler versuchen dies immer in irgendeiner Form für ihr Geschäft zu behaupten. Schließlich kann man argumentieren, dass jedes Produkt einen “fairen” Preis hat. Aber das Aldi-Konzept kann dies ein bisschen einfacher verkaufen. Innerhalb der jeweiligen Produktkategorie gibt es fast keine Überschneidungen. Jedes einzelne Produkt hat eine einzigartige Position im Regal, und keinen Konkurrenzartikel daneben.

Das Aldi Eigenmarken-Produkt wird immer als vergleichbar mit dem beliebtesten Markenprodukt einer Kategorie des jeweiligen Landes präsentiert und ist in der Regel zu einem Preis von 20% unter dem Marktpreis erhältlich. Das ist viel glaubwürdiger als ein Hypermarkt, der jedes verfügbare Produkt in allen Qualitätsstufen verkauft, selbst wenn die Preise bei genauerer Betrachtung fair sind.

 3. Kontrolle der operativen Kosten

Das erste, was ich 1989 gelernt habe war, dass man ein wirklich gutes Produkt nicht billig beschaffen kann, man muss den richtigen Einkaufspreis zahlen! Wenn Sie also dieses großartige Produkt billiger als alle anderen verkaufen wollen, dann sollten Sie besser niedrige operative Kosten haben, ansonsten werden Sie keinen Gewinn machen. Deshalb war die grundlegende Regel für jeden Aldi Manager effizient zu sein. Es hat dabei keine Rolle gespielt von welchen Kosten die Rede war, die Idee ist, dass die operativen Kosten niedriger sind, als jene von allen anderen in der Branche.

Vergrößerung von Barcodes zum schnelleren Scannen von Produkten an der Kassa, mehr Kartons auf einer Transportpalette, längere Lebensdauer der Beleuchtung, das Verwenden von Bonusmeilen für Geschäftsreisen – die Liste der Versuche Kosten zu reduzieren, um sicherzustellen, dass der Kunde ein Produkt in den Einkaufswagen packt, weil es ein gutes Angebot ist, ist endlos. Aldi war schon immer der Meinung, dass der Kunde immer nur das Produkt mit nach Hause nahm, die Einkaufsatmosphäre war nie der Hauptgrund des Kundenbesuchs.

Sogar die Kunden selbst werden trainiert, auf die “Aldi-Weise” zu arbeiten! Die Artikel werden zuerst auf ein schnelles Förderband gelegt, dann (schnell!) in den Einkaufswagen befördert, und an einem separaten Ort in die Taschen gepackt, um den nächsten Kunden nicht aufzuhalten.

 4. Finanzielle Ausdauer

Alle erfahrenen Aldi-Manager sind absolut überzeugt davon, dass das Geschäftskonzept funktioniert wird. Dies ist ein fantastisches Selbstvertrauen, das allen Managern und Mitarbeitern eingepflanzt wird. Dies äußert sich in einer fast arroganten Art, dass obwohl das Konzept eine Zeit braucht, bis es in einem neuen Land funktioniert (wenn die richtigen Grundbedingungen vorhanden sind), es keine Möglichkeit des langfristigen Scheiterns gibt.

Lange bevor die ersten Investitionen getätigt werden, wird Aldi aber bereits seine Hausaufgaben gemacht haben, wieviel ausgegeben werden muss um genug Marktgröße aufzubauen, um lokale Produkte zu wettbewerbsfähigen Preisen einkaufen zu können. Gemeinsam mit der Erfahrung des Unternehmens, wie lange es dauert, lokale Stärke im Management aufzubauen, bedeutet es, dass das Unternehmen kein Problem damit hat, in den ersten fünf Jahren keine großen Einnahmen zu erzielen. Das nenne ich finanzielle Ausdauer!

 

Paul Foley ist Gründer und Partner bei Foley Retail Consulting.

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