Plastikverpackungen im Einzelhandel – der Kampf hat gerade erst begonnen

Weltweit werden jährlich rund 300 Millionen Tonnen Kunststoff produziert; 8 bis 12 Millionen Tonnen davon landen in unseren Ozeanen und haben ernsthafte Konsequenzen für die Tiere und Pflanzen im Meer. Ungefähr 80% des Kunststoffmülls im Meer entstehen am Land, das meiste davon sind Verpackungen – Styropor, Plastikflaschen und Plastiktüten (Quelle: Greenpeace). Die restlichen 20% stammen aus meeresbasierten Quellen wie Fischereien und Frachtschiffen.

Laut einer Studie des Guardian werden weltweit jede Minute eine Million Plastikflaschen gekauft. Weniger als die Hälfte der im Jahr 2016 gekauften Flaschen wurden für Recycling gesammelt. Darüber hinaus werden allein in der EU jedes Jahr ca. 100 Milliarden Plastiktüten verbraucht und insgesamt 163kg Verpackungsmüll pro Einwohner produziert (Quelle: Europäische Kommission, Eurostat). Aufgrund seiner Langlebigkeit von mehreren hundert Jahren wird Plastik global zu einem zunehmenden Problem.

Verbraucher in Europa werden immer umweltbewusster, interessieren sich, wie und wo ihre Produkte und Verpackungen hergestellt werden und sind auf der Suche nach nachhaltigen Marken und Geschäften. Einzelhändler und Verpackungsunternehmen versuchen Umweltbelastungen durch neue, innovative Produkte und Materialien zu reduzieren.

Im Jahr 2015 verpflichtete ein neues Gesetz die EU Mitgliedstaaten, die Verwendung von Einweg-Plastiktüten drastisch zu reduzieren: um fast 50% bis Ende 2019 (nicht mehr als 90 Tüten/Person/Jahr) und um 80% bis Ende 2025 (nicht mehr als 40 Tüten/Person/Jahr) im Vergleich zu 2010. Vor dieser EU-Plastiktüten-Richtlinie wurden jährlich bis zu 200 Tüten pro Person verbraucht.

Zur Erreichung der vereinbarten Ziele können unterschiedliche Maßnahmen ergriffen werden, welche Einzelhändler und deren Strategien auf die eine oder andere Weise beeinflussen:

  • Ökonomische Instrumente – Gebühren für Plastiktüten – wie sie von Großbritannien, Irland, Dänemark, Finnland, Luxemburg und den Niederlanden eingeführt wurden
  • Nationale Reduktionsziele
  • In Frankreich und Italien sind Einweg-Plastiktüten gänzlich verboten worden. In Deutschland gibt es freiwillige Vereinbarungen mit dem Einzelhandel.

Außderdem geht der weltweite Trend im Einzelhandel verstärkt zum Angebot von biologisch abbaubaren oder kompostierbaren Tüten oder Verpackungsmaterialien durch Einzelhändler und Marken. Diese bestehen meist aus Stärkeblends (Mais, Kartoffeln, etc.), biologisch abbaubaren Polyestern oder Zellulose. Die deutsche Rewe-Gruppe hat dünne Einweg-Plastiktüten komplett abgeschafft und bietet nur noch Baumwollbeutel, Papiertüten, Jutetaschen, sowie Permanenttragetaschen aus recycelten PET Flaschen an. Tesco in Großbritannien wird den Verkauf von 5p Plastiktüten bis Ende August 2017 stoppen und nur noch teurere, „Taschen fürs Leben“ aus 94% recyceltem Kunststoff, anbieten. Unilever verpflichtet sich sicherzustellen, dass alle Kunststoffverpackungen bis 2025 vollständig wiederverwendbar, recyclingfähig oder kompostierbar sind. Die Kampagne „Ein plastikfreier Gang“ von A Plastic Planet fordert britische Supermärkte dazu auf, einen plastikfreien Gang in jedem Geschäft einzurichten. In Kenia wurde das Produzieren, Verkaufen oder Verwenden von Plastiktüten vor kurzem verboten und illegal. In den USA gibt es in einigen Städten und auch ganzen Staaten (z.B. Kalifornien oder Hawaii) ein Verbot von Einweg-Plastiktüten in großen Einzelhandelsgeschäften. Dies sind nur einige Beispiele von Marken, Ländern und Einzelhändlern, die auf eine Kreislaufwirtschaft hinarbeiten.

Da es mittlerweile eine breite Palette von “grünen” Verpackungsmöglichkeiten gibt, kann es für Konsumenten schwierig sein, zwischen bio-basierten, fossilen, nicht biologisch abbaubaren, biologisch abbaubaren, kompostierbaren oder recyclingfähigen Produkten zu unterscheiden und zu wissen, wie die verschiedenen Materialien entsorgt werden sollten.

Eindeutige Produktkennzeichungen sind daher wesentlich, um eine klare Botschaft an die Kunden zu bringen! Obwohl der wahre ökologische Fußabdruck von manchen Materialen umstritten ist, können sie potentiell eine nachhaltige Alternative zu Plastik bieten und einem Einzelhändler dabei helfen Verantwortung zu übernehmen und im Interesse von Umwelt und Gesellschaft zu handeln.

Zusätzlich beeinflussen Nachhaltigkeitsbedenken die Kaufentscheidungen von Kunden. Deshalb ist Nachhaltigkeit mittlerweile bei Supermärkten oft Teil der Kerngeschäftsstrategie, um den Anforderungen der Kunden gerecht werden und sich darüber hinaus als nachhaltiges Unternehmen zu präsentieren, was sich positiv auf das Unternehmensimage auswirkt.

Kontaktieren Sie uns hier für einen „Gesundheits-Check“ Ihrer Unternehmensstrategie hinsichtlich Verpackungen und Nachhaltigkeit!